Wie Kunststoff auch am Bau im Kreislauf bleibt

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Kunststoffrohre übereinander gestapelt
© PublicDomainPictures/Pixabay

27.05.2021

Was passiert mit Abbruchdämm-Platten in 50 Jahren? Wo sind die Grenzen des Rezyklateinsatzes bei Rohren? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Treffpunkt Kunststoffrecycling am 20. Mai 2021 powered by Starlinger & Co GmbH.

Der Gebäude- und Bausektor in Europa verbraucht jährlich rund 10 Millionen Tonnen Kunststoff. Das sind rund 20 Prozent des europäischen Kunststoffverbrauchs. Ein Großteil der Rezyklate aus diesem Bereich wird in Straßenbauprodukten wie Baken und Aufstellvorrichtungen, Pfosten oder Leitkegel eingesetzt. Weitere kleinere Einsatzgebiete sind Fenster- und Türprofile, Rohre oder Baufolien.

Rohre erfordern möglichst sortenreine Rezyklate

„Die Kunststoffrohr-Industrie erhöht kontinuierlich die Rezyklatanteile“, sagt Dr. Andreas Frank, Bereichsleiter für das Thema Polymer-Rohre am Polymer Competence Center Leoben (PCCL). Im Druckrohrbereich ist die Verwendung von Rezyklaten nicht zulässig, allerdings sieht Frank großes Potenzial für den Rezyklateinsatz bei drucklosen Rohr- und Drainagesystemen oder für Sickerboxen. Rohre haben oft eine Mindestlebensdauer von 100 Jahren. Die Risswachstumsbeständigkeit ist die entscheidende Materialeigenschaft. „Mittlerweile gibt es neben den etablierten – aber sehr zeitaufwändigen – Prüfverfahren auch sehr schnelle und sensible Methoden für die Prüfung innerhalb von wenigen Tagen, etwa der am PCCL entwickelte CRB Test“, berichtet der Experte. Beeinflusst wird das Risswachstum bei Rezyklaten vor allem durch polymere und andere Verunreinigungen sowie durch unterschiedliche molekulare Strukturen oder Veränderungen, etwa Alterung. Bei rezykliertem PE und PP sinkt die Beständigkeit sehr deutlich mit dem Anteil an Polyolefin-Verunreinigungen (PP in PE oder umgekehrt). Bei PVC-Rohren ergeben sich hingegen nur geringe Unterschiede zwischen Neuware und Rezyklat, wobei aber Weichmacher einen deutlichen Einfluss zeigen.

EPS-Recycling: „Wir bewegen sehr viel Luft“

Thomas Kandolf und Bianka Sereinig von der Hirsch Servo AG (Sparte Porozell), einem der größten EPS-Dämmstoffhersteller Europas mit der ersten und einzigen mechanischen EPS-Recyclinganlage in Europa, berichten über die speziellen Anforderungen beim EPS-Recyclings. Der wirtschaftliche Transport der EPS-Abfälle mit 98 Volumenprozenten Luft ist eine große Herausforderung, um Abfälle wieder in die EPS-Produktion zuzuführen. Derzeit rezykliert Hirsch für Kunden sortenreine Zuschnitte. Das Recycling von Abbruch-Dämmplatten ist aktuell noch eine der größten Herausforderungen. Im europäischen Projekt PolystereneLoop arbeitet Hirsch an diesem Thema als Partner mit. Auch Material mit groben Verunreinigungen oder EPS mit dem noch bis 2016 eingesetzten Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan lassen sich mit dem eingesetzten patentierten CreaSolv®-Verfahren wieder in den Kreislauf rückführen. Die Produktion soll jetzt im Juni starten. Mengen und Qualität sind hier neben der Logistik die großen Herausforderungen.

Verarbeiten, dort wo das Material anfällt

Ein Lösungskonzept für die EPS-Logistik stellte Leif Ziebeil von der der 2016 gegründeten FZ-Recycling GmbH & Co. vor: kleine dezentrale Recyclinglösungen zum Schließen von lokalen EPS-Stoffkreisläufen. Mit mobilen Verdichtungsanlagen für Abbruchmaterial, können große Mengen Wasser, die im Material meist vorhanden sind, verarbeiten. Die Maschinentechnik kann mit zahlreichen Verunreinigungen umgehen. Das bis zu 90 zu 1 verdichtete Material wird dann zu PolystereneLoop transportiert und rezykliert. „Bis zu 30 Prozent der Logistik-Kosten können so eingespart werden“, unterstreicht Leif Ziebeil auch den wirtschaftlichen Vorteil dieser Anlagen.

„Nachhaltige Kunststoffanwendung mit einer Lebensdauer von mehr als 50 Jahren auch noch aus Rezyklat herzustellen zeugt für mich von einer hohen Innovationskraft“

Christian Mayr, Kunststoff-Cluster

„Die Baubranche arbeitet intensiv an Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Recycling und der Einsatz von Rezyklaten ist in dieser Branche bereits oft Realität.“

Ashna Mudaffer, Cleantech-Cluster


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