Technologie-Tage 2019

Mit Arburg auf der „Road to Digitalisation“ in Richtung Zukunft

Kundencenter Technologie-Tage 2019
Zu den Arburg Technologie-Tagen kamen vom 13. bis 16. März über 6.000 geladene Gäste aus 54 Ländern nach Loßburg. Allein im Kundencenter waren rund 35 Maschinen-Exponate zu sehen © ARBURG
Oliver Giesen, Geschäftsführer der ARBURG GesmbH
"Wir freuen uns sehr, dass wir über 100 Besucher aus Österreich bei unseren Technologie-Tagen begrüßen durften. Fast die Hälfte davon waren zum erstem Mal im Arburg-Stammwerk“, freute sich Oliver Giesen, Geschäftsführer der Arburg GesmbH. Beim Unternehmensrundgang seien besonders die Erstbesucher von der Hightech-Produktion und der hohen Fertigungstiefe sehr beeindruckt gewesen. „In Bezug auf das Ausstellungsprogramm waren die Topthemen Turnkey und Digitalisierung und Viele sind jetzt schon gespannt, was Arburg auf der K 2019 präsentieren wird“, fasst Oliver Giesen das Feedback der österreichischen Gäste zusammen © ARBURG

29.03.2019

Seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Arburg Technologie-Tage. Den renommierten Branchentreff besuchten von 1999 bis 2019 mehr als 93.000 geladene Gäste aus aller Welt. Vom 13. bis 16. März 2019 kamen über 6.000 Besucher aus 54 Ländern. Rund 660 aktiv eingebundene Mitarbeiter und Auszubildende sorgten dafür, die Technologie-Tage zu einem besonderen Event werden zu lassen.

Thematischer Schwerpunkt war die „Road to Digitalisation“, entlang der sich die Gäste umfassend über die digitalen Bausteine von Arburg für die produktionseffiziente Kunststoffverarbeitung informieren konnten. Zu sehen waren weiterhin über 50 Maschinen-Exponate und Turnkey-Anlagen, die Effizienz-Arena und eine Sonderschau zum Service. Zu den Highlights zählten die „AM Factory“ und das Kundenportal „arburgXworld“. Expertenvorträge zu aktuellen Trends sowie Führungen durch den laufenden Betrieb rundeten das Angebot ab.

Das Konzept der Arburg Technologie-Tage bewährt sich seit 1999 und hat diese zum weltweit größten In-house-Event der Kunststoffbranche gemacht.

Große Besuchergruppen aus dem Ausland
Der Anteil der ausländischen Gäste hat im Laufe der Jahre stetig zugenommen und lag in diesem Jahr bei 44 Prozent. Die größten Übersee-Gruppen mit rund 140 und rund 110 Teilnehmern kamen 2019 aus Nordamerika und China. Die meisten Gäste aus Europa brachten die Niederlassungen Frankreich (rund 200) Schweiz (rund 190), Italien (rund 160), Tschechien (rund 110) sowie die Niederlande und Österreich (jeweils rund 100) mit.

„Road to Digitalisation“: digitale Lösungen begreifbar
„Seit der Fakuma 2018 sind wir auf unserer „Road to Digitalisation“ in Richtung K 2019 unterwegs. Auf den Technologie-Tagen hat sie sich durch das ganze Unternehmen gezogen. Damit haben wir einen weiteren Meilenstein erreicht und ein vielschichtiges Thema konkret begreifbar gemacht“, fasst Michael Hehl, geschäftsführender Gesellschafter bei Arburg, zusammen. „Unsere Kunden konnten zum Beispiel praxisnah erleben, welche Tools wir ihnen mit Augmented und Virtual Reality an die Hand geben können, um in Zukunft Schulungen und Service deutlich zu erleichtern. Bereits Realität ist unser neues Kundenportal ‚arburgXworld‘, das mit seinen Apps ganz praktische Vorteile zum Maschinenpark, Service und Ersatzteilbestellung bietet und bis Jahresende weltweit verfügbar sein wird. Und natürlich haben wir mit mehr als 50 Maschinen-Exponaten eindrucksvoll gezeigt, wie sich Spritzgieß- und additiv gefertigte Teile effizient fertigen lassen.“

„Road to Digitalisation“ durchs ganze Unternehmen
Entlang der „Road to Digitalisation“ zeigte Arburg, was das Unternehmen als Vorreiter der Kunststoffbranche in Sachen „Smart Machines“, „Smart Production“ und „Smart Services“ aktuell zu bieten hat. Ein Highlight war das Kundenportal „arburgXworld“, das mit den Applikationen (Apps) „Machine Center“, „Service Center“, „Shop“ und „Calendar“ ab sofort von deutschen Kunden nach Registrierung kostenlos genutzt werden kann. Über diesen Service-Marktplatz in der Cloud bündelt Arburg seine digitalen Dienstleistungen. Die Apps liefern z. B. einen schnellen Überblick zum Maschinenpark, ermöglichen eine einfache Ersatzteilbestellung mit interaktiver Navigation und das Erstellen von Service-Tickets rund um die Uhr.

Zum Thema Digitalisierung wurde weiterhin die OPC-UA-Lösungen von Arburg vorgestellt und wie sich diese für die Online-Bereitstellung von Prozessinformationen an übergeordnete Systeme und digitale Services nutzen lassen. Allrounder waren mit einem IIoT-Gateway (IIoT = Industrial Internet of Things) ausgestattet. Dies bietet große Flexibilität für die Implementierung z. B. von Arburg Remote Service ARS, Arburg Turnkey Control Module ATCM, „arburgXworld“ und des Arburg Leitrechnersystems ALS, mit dem alle Exponate vernetzt waren. Als digitale Bausteine enthielt jeder Allrounder im Kundencenter die sechs Assistenzpakete von Arburg. Sie unterstützen den Bediener aktiv und erleichtern damit die Arbeit an der Maschine passend zur jeweiligen Produktionsanforderung – vom Starten, Einrichten und Optimieren über das Produzieren und Überwachen bis hin zum Service. An einem hybriden Allrounder 920 H wurde im laufenden Betrieb demonstriert, welche Potenziale eine in die Gestica-Steuerung integrierte Füllsimulation bietet. Erstmals visualisiert wurde dabei die Abhängigkeit von Füllgrad zum Schneckenweg.

Von Augmented Reality bis Predictive Maintenance
In der Effizienz-Arena zeigten die Arburg-Experten zum Thema Augmented Reality die virtuelle Wartung einer Spritzeinheit per AR-Datenbrille sowie Videotelefonie. Damit lassen sich komplexe Wartungsarbeiten sicher ausführen und Fehler schnell identifizieren und beheben. Damit Störungen und ungeplante Ausfälle erst gar nicht entstehen, bietet sich die Echtzeit-Überwachung von Zuständen verschleißanfälliger Bauteile (Condition Monitoring) und die vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) an. Präsentiert wurden dazu u. a. die lastabhängige Schmierung von Kniehebeln an elektrischen Maschinen und das Erkennen von Verschmutzungen an Vakuumventilen. Zudem kann die Steuerung künftig über einen Chip auf der Plastifiziereinheit erkennen, ob das richtige Zylindermodul eingebaut ist.

Spritzgieß-Highlights
Zu den innovativen Anwendungen im Bereich Automotive und Leichtbau zählten das Spritzgießen von Rotorscheiben für servoelektrische Antriebsstränge, wie sie im Forschungsprojekt ProLemo realisiert sind, das Faser-Direct-Compoundieren (FDC) von langglasfaserverstärkten Leichtbauteilen und das physikalische Schäumen mit Profoam. Darüber hinaus waren auch einige Anwendungen von Kunden aus der Automobilindustrie zu sehen. Das größte Bauteil – ein Pkw-Frontgrill aus ABS – produzierte ein hybrider Allrounder 1120 H mit 6.500 kN Schließkraft und Gestica-Steuerung.

Im Gegensatz dazu wogen filigrane Mikro-Dosierventile für die Medizintechnik nur je 0,038 Gramm. Das Herzstück dieser Fertigungszelle war ein elektrischer Allrounder 270 A, ausgestattet mit einer Mikrospritzeinheit der Größe 5, einer LSR-Kartusche und einem Reinluftmodul. Eine weitere innovative Anwendung für die Medizintechnik war die Fertigung von Labs-on-a-Chip im Montagespritzgießen. Ein elektrischer Zwei-Komponenten-Allrounder 520 A fertigte mit einem 2+2-fach-Werkzeug der Firma Weber zunächst je zwei Platten mit Anschlüssen für die Fluidik-Zufuhr und zwei mit Fluidik-Kanälen. Dann drehte das Werkzeug elektrisch um 90 Grad, wobei die zwei verschiedenen Platten direkt aufeinandergesetzt und im nächsten Spritzvorgang stoffschlüssig verbunden wurden. Auf diese Weise entstand in rund 35 Sekunden Gesamtzykluszeit ein komplettes, dichtes Lab-on-a-Chip samt Anschlüssen für die Zufuhr der Fluidik-Lösungen.

Kreuzkonnektoren aus PVC-U, die als Verbindungsstücke für Dialyseschläuche eingesetzt werden, fertigte ein elektrischer Allrounder 370 A in Edelstahlausführung, der im Arburg-Reinraum der Klasse ISO 7 stand. Die Reinraummaschine erfüllt die hohen Hygieneanforderungen entsprechend ISO 13485 sowie die FDA-Vorgaben und GMP-Richtlinien.

Gefragte Turnkey-Lösungen
Stark frequentiert war der Bereich „Turnkey-Lösungen“ mit neun Maschinen-Exponaten. Zwei von ihnen waren mit dem neuen Scada-System ATCM (Arburg Turnkey Control Module) ausgestattet. So wurde etwa bei der Fertigung von Wasserwaagen auf einem elektrischen Allrounder 470 A gezeigt, wie ATCM die Prozess- und Prüfdaten sammelt und zusammenführt und die wichtigen Funktionen der kompletten Fertigungszelle visualisiert.

Auf großes Interesse stießen Kundenanlagen, die Arburg als Generalunternehmer realisiert hat und die Trends wie etwa die Herstellung von Hybridbauteilen und Turnkey-Anlagen mit optimierter Aufstellfläche aufzeigten. So umspritzte ein hybrider Allrounder 470 H Metallkontakte mit PBT (GF30) zu Steckern für Sensoren im Pkw. Anschließend folgt eine hundertprozentige Durchgangs-, Hochspannungs- und optische Prüfung, bevor die Gutteile versandbereit abgelegt wurden. Eine besonders geringe Stellfläche hat Arburg rund um einen elektrischen Allrounder 520 A realisiert. Die gesamte Turnkey-Anlage samt Multilift Select Robot-System und einem in die Schutzeinhausung integrierten Förderband ist nur rund 500 Millimeter breiter als die Maschine selbst. Wie sich durch eine optimale Abstimmung von Spritzgießmaschine, Werkzeug und Automation bestmögliche Effizienz erzielen lässt, demonstrierte ein elektrischer Allrounder 470 A. Er fertigte in einer Zykluszeit von rund 2,9 Sekunden je zwei 30-ml-Einwegbecher aus medizinischem PP. Das Werkzeug stammt von der Firma Hofstetter, die Automation von Hekuma.

Additive Manufacturing: Freeformer und AM Factory
Sieben Freeformer 200-3X fertigten auf den Technologie-Tagen additiv Funktionsbauteile aus qualifizierten Standardgranulaten und speziellen Originalmaterialien, darunter auch solche mit FDA-Zulassung für die Medizintechnik. Ein Highlight war der neue Freeformer 300-3X mit drei Austragseinheiten. Er ist die erste Maschine, die additiv aus drei Komponenten belastbare Hart-Weich-Verbindungen mit Stützstruktur fertigen kann. Das Exponat im Kundencenter stellte bewegliche Greiferfinger aus ABS, TPE und Stützmaterial her – in einem Schritt und ohne zusätzlichen Montageaufwand.

Welchen Mehrwert der Freeformer 300-3X in vollautomatisierten und IT-vernetzten Fertigungszellen bietet, war bei der Weltpremiere der „AM Factory“ zu sehen. Die komplexe Turnkey-Anlage individualisierte exemplarisch Vakuumgreifer für Schachfiguren in sechs Varianten – „on demand“, vollautomatisiert und zu 100 Prozent rückverfolgbar. Nach Kennzeichnung mit einem DM-Code und Plasmabehandlung ergänzte der Freeformer 300-3X eine Greiferplatte aus Aluminium entsprechend des hinterlegten 3D-Druck-Auftrags mit einer an die gewünschte Schachfigur angepassten funktionalen Geometrie aus TPU. Als nächster Prozessschritt folgt eine taktile Funktionsprüfung des Greifers. Ein Sechs-Achs-Roboter übernahm die Handhabung der Greiferplatten, das Bestücken des Bauraums und die Funktions­prüfung. Über den DM-Code konnten die Daten jederzeit auf einer produktspezifischen Website abgerufen werden.

Rahmenprogramm: Service, Vorträge und Betriebsrundgänge
Schwerpunkte in der Sonderschau zum Service waren digitale Lösungen von Arburg. Dazu zählten das neue Kundenportal „arburgXworld“ und der Arburg Remote Service ARS. Dieser wurde mit einem hydraulischen Allrounder 320 C Golden Edition vorgestellt. Zum Kundenportal präsentierten die Service-Experten praxisnah, welche Vorteile z. B. die Suche und Bestellung von Ersatzteilen und das Erstellen von Tickets und Kommunikation mit Servicetechnikern bieten.

Die deutsch- und englischsprachigen Arburg-Expertenvorträge zu den Themen Automobilbau, Freeformer, Packaging und „Road to Digitalisation“ besuchten in diesem Jahr mehr als 1.400 Teilnehmer. Zudem nahmen über 1.900 Gäste an über 200 Rundgängen durch die Produktion teil. Hinzu kamen zahlreiche ausländische Gruppen, die in Begleitung der Arburg-Niederlassungen und Handelspartner in ihrer jeweiligen Landessprache durch den Betrieb geführt wurden.

www.arburg.com