Technologie und Digitalisierung als Schlüsselfaktoren

KC-Beirat Alfred Griesbaum, RICO GROUP im Gespräch

Geisterschicht bei RICO in Thalheim. Nachts arbeiten nur die Maschinen © RICO GROUP
Geisterschicht bei RICO in Thalheim. Nachts arbeiten nur die Maschinen © RICO GROUP
Alfred Griesbaum, Geschäftsführer der RICO GROUP © RICO GROUP
Alfred Griesbaum, Geschäftsführer der RICO GROUP © RICO GROUP

10.02.2020

Alfred Griesbaum ist Geschäftsführer der RICO GROUP und vertritt als Beirat im Kunststoff-Cluster die Interessen der Werkzeugbauer und Kunststoffverarbeiter. Im Interview erzählt er, wie sich RICO für die Zukunft aufstellt und welche wichtigen Entwicklungen der Global Player in der Elastomer-Verarbeitung und Hersteller von Spritzgießwerkzeugen und Automatisierungskomponenten in Hinblick auf Technologie und Digitalisierung vorantreibt.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen, die die österreichischen Lohnfertiger zu bewältigen haben?

Eine der größten Herausforderungen ist es, gegenüber den Billiglohnländern und dem asiatischen Raum den vorhandenen Technologievorsprung in allen Belangen zu halten. Dazu gehört es, neue Technologien auf allen Ebenen zu entwickeln, die Automatisierung voranzutreiben und das Qualitätslevel noch weiter anzuheben. Eine manuelle Nachbearbeitung von Produktionsteilen ist aus Kostengründen im zentraleuropäischen Raum jetzt schon nicht mehr möglich.

RICO ist im Bereich Silikonspritzguss tätig, diese Branche stellt in Oberösterreich ein absolutes Stärkefeld dar. Was ist die Besonderheit dabei?

Dass sich im oberösterreichischen Zentralraum eine Handvoll silikonverarbeitende Betriebe entwickelt haben, die allesamt am Weltmarkt reüssieren, zeigt die gewaltige Innovationskraft Oberösterreichs und der oberösterreichischen Unternehmen.

Viele Unternehmen im Lohnspritzguss betreiben nur mehr einen Instandhaltungswerkzeugbau. RICO setzt hier auf seinen eigenen Werkzeugbau. Wie argumentieren Sie einem Controller gegenüber, den Werkzeugbau auch als Innovations- und F&E-Faktor zu berücksichtigen?

Vorweg muss man sagen, dass ein eigener Werkzeugbau natürlich ein enormer Kostenfaktor ist. Für den Vorteil, das Design, die Entwicklung und die Qualität der Werkzeuge selbst in der Hand zu haben, nehmen wir den Kostendruck eines Lohnwerkzeugbauers jedoch gerne in Kauf.

Stichwort Digitalisierung – wo setzt man bei RICO an?

Bei RICO vernetzen wir Maschinen und Prozesse, erfassen aber nur Produktionsdaten, die wir auch wirklich weiterverwenden. Diese Daten lassen wir in unseren Wissenskreislauf einfließen und verbessern damit unsere Prozesse, erweitern unsere Materialdaten und lernen von den eigenen Systemen. Eine Wissensdatenbank führen wir schon seit jeher. Die digitale Abwicklung ist jedoch weitaus effektiver, um auch in Zukunft den hohen Kundenanforderungen zu entsprechen.

Wie und mit welchen Maßnahmen begegnet man dem Facharbeiterbedarf bei RICO?

RICO setzt ganz klar auf die interne Ausbildung der Fachkräfte. Das passiert einerseits durch eine intensive Lehrlingsausbildung, andererseits durch die Qualifizierung in der RICO-Academy, die bestehenden und neuen Mitarbeitern eine Fach- oder Führungskarriere ermöglicht. Zudem schaffen wir ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlen und weiterentwickeln kann und man deshalb auch gerne im Unternehmen bleibt. Dazu gehören u.a. unser Betriebsrestaurant, echte Aufstiegschancen und ein sehr persönliches, herzliches Miteinander.

Wie sehen Sie die Rolle des Clusters? Welche Leistungen bzw. Unterstützungen für die Branche sehen Sie als vorrangige Aufgabe des Clusters?

Die branchenübergreifende Zusammenarbeit im KC ist für mich schlagend. Beim Netzwerken tritt man in direkten Kontakt zu anderen Kunststoffverarbeitern. Das ermöglicht den Mitgliedern wertvolle Einblicke in andere Partnerunternehmen und das frühe Erkennen von Technologietrends und Entwicklungen am Markt.

RICO kann sich immer wieder durch Innovationen abheben. Wie schaffen Sie es, sich hier gegen den Mitbewerb aus Niedriglohnländern durchzusetzen?

Mit ausgeklügelten Werkzeugkonzepten, einem eigenen Material- und Entwicklungslabor, vollautomatischer 24-Stunden-Produktion und den notwendigen Schritten in Richtung Digitalisierung versuchen wir, immer einen Schritt voraus zu sein. Wir sind technologisch in der Lage, auch in mannlosen „Geisterschichten“ nicht nur den hohen Qualitätsanforderungen unserer Kunden zu entsprechen, sondern auch im Sinne der Kosten konkurrenzfähig zu produzieren.

RICO GROUP und ihre Unternehmen

Die RICO GROUP ist ein globaler Premium-Komplettanbieter für individuelle Elastomer- und Kunststoffprojekte. Mit insgesamt vier Standorten in Österreich, der Schweiz und den USA bildet die Gruppe ein international schlagkräftiges Technologie- und Produktionsnetzwerk. Das Portfolio reicht von der Herstellung von Spritzgusswerkzeugen über die Beratung bei der Bauteileentwicklung bis hin zur Serienfertigung von kundenindividuellen Bauteilen. Der Fokus liegt dabei auf der Verarbeitung von Elastomeren, speziell von Flüssigsilikon (LSR) und Feststoffsilikon (HTV). Die Bauteile werden im Ein-, Zwei- oder Mehrkomponentenspritzguss hergestellt.

www.rico.at