Digitalisierung hält Kunststoffindustrie in Fahrt

KC-Treffpunkt Digitalisierung

© Fotolia/Mimi Potter
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30.07.2020

Bis ein Autoreifen den optimalen Grip hat, sind viele Stunden auf Prüfständen, Testfahrten und Tüftlerarbeit notwendig. Die Zukunft könnte anders aussehen und viel Zeit und Geld sparen. Mit Hilfe von „Predictive Analytics“ ist es möglich, die ideale Gummimischung für jeden Reifen passend für jede Fahrsituation und jedes Fahrzeug zu erzeugen. Das einfache Beispiel verdeutlich, wie sehr die Digitalisierung auch in der Kunststoffbranche an Bedeutung gewonnen hat. Auch sonst ist der Dialog zwischen  Mensch und Maschine entscheidend, um wirtschaftlich an der Spitze zu bleiben.

Wenn digitales Wissen mit den Rohstoffen für die Kunststoff-Industrie verschmilzt, wirkt sich das positiv auf Wertschöpfung, Produktionseffizienz und Prozesssicherheit aus. Allerdings gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. „In den meisten Betrieben sind technologische, organisatorische als auch wirtschaftliche Aspekte sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Digitalisierung unserer Arbeitswelt noch ungeklärt,“ sagt DI Peter Dunzendorfer vom Kunststoff-Cluster. Prozesse müssen neu gedacht und Abläufe neu definiert werden. Vor allem, wenn es um die Datenübergabe entlang der Wertschöpfungskette geht. Gleichzeitig bieten sich Chancen, neue Geschäftsmodelle oder effizientere Prozesse zu definieren. FH-Prof. Priv.-Doz. DI Dr. Michael Affenzeller, wissenschaftlicher Leiter des Softwarepark Hagenberg kann auf erste Erfolge bei der praktischen Anwendung von Prescriptive Analytics in Unternehmen verweisen.

Rechenmodell ersetzt Teststrecke

„Die Eigenschaften von Autoreifen an Prototypen werden derzeit noch am Prüfstand vermessen, anschließend erfolgen mehrere Testläufe, um die optimale Materialzusammensetzung zu finden. Mit einem Rechenmodell kann man aber die Wunscheigenschaften festlegen und mittels Prescriptive Analytics die optimale Zusammensetzung der Reifen erhalten. In einem Industrieunternehmen in Oberösterreich ist das bereits Realität: In einem Forschungsprojekt wird das Produktdesign von Belägen, beispielsweise für Bremsen, bereits mit wissenschaftlichen Prognosen ermittelt. Der Softwarepark Hagenberg ist für diesen Bereich bestens aufgestellt und betreibt schon seit vielen Jahren Forschung in einzelnen Wissenschaftsdisziplinen, die im Themenbereich Prescriptive Analytics zusammengeführt werden. „Rechenmodelle können bei der Produktentwicklung sehr hilfreich sein, weil in Daten erfasste Sachverhalte aus der Vergangenheit und Gegenwart ermöglichen, die Zukunft abzubilden“, betont Affenzeller.

Maschinen brauchen einheitliche Sprache

„Wandlungsfähige vernetzte Produktionsautomatisierung“ war das Thema des virtuellen Workshops am 15. Juli 2020. Gastredner war Univ.-Prof. Alois Zoitl. Der Experte für moderne Industrieproduktion, forscht am LIT, dem Linz Institute of Technology an der JKU. Sein Schwerpunkt ist die Produktionsoptimierung, das Credo lautet: „Wir müssen Maschinen bauen, die den Menschen ergänzen und nicht kopieren.“ Wandlungsfähige Prozessoptimierung setzt aus seiner Sicht die Vernetzung und die Kommunikation von Maschinen voraus. Hier sei es wichtig, dass eine gemeinsame Sprache verwendet wird. „Es geht aber auch darum, was und wie sie sprechen, um ein optimales Zusammenwirken von Produktionstechnik mit IT-Infrastruktur zu erzielen“, betont Zoitl. Aus Sicht des Experten ist es auch wichtig, über den Tellerrand zu blicken und interdisziplinär – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft - zu denken. Nur so könne der Vorteil, den ein Standort wie Oberösterreich bietet, nachhaltig ausgespielt werden.


Foto: DI Peter Dunzendorfer, BSc.

DI Peter Dunzendorfer, BSc.

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