Gaswäscher made in Oberösterreich

Gaswäscher vor der Auslieferung
Gaswäscher vor der Auslieferung: gefertigt als Dual-Laminat aus GFK und fluoriertem Kunststoff.
Vorkonfektioniertes Wäschersegment vor der GFK Harzverstärkung
Vorkonfektioniertes Wäschersegment vor der GFK Harzverstärkung
Vorkonfektioniertes Wäschersegment nach der GFK Harzverstärkung
Vorkonfektioniertes Wäschersegment nach der GFK Harzverstärkung
Bilder: AGRU / Heson

10.01.2017

Gaswäscher, Prozessbehälter, Transportbehälter für korrosive Chemikalien, Rauchgaswäscher und Rührer für chemische Anlagen haben alle eines gemeinsam: Chemisch aggressive Prozessbedingungen und hohe Temperaturen führen in kurzer Zeit zu Korrosion von ungeschützten GFK-Strukturen und Stählen. Wirksamen Schutz bieten teil- und vollfluorierte Kunststoffauskleidungssysteme von AGRU und Heson.

Die Reinigung von Abgasen in der Chemieindustrie ist besonders anspruchsvoll hinsichtlich der Materialauswahl und Behälterauslegung. Im Zuge eines Kooperationsprojekts zwischen den Unternehmen AGRU & Heson konnte ein Gaswäscher „made in Oberösterreich“ erfolgreich gefertigt werden. Der Ø 1.05 m und 12 m hohe Behälter wurde als segmentiertes Dual Laminate ausgeführt. Bei der Dual Laminat Anwendung werden die Vorteile beider Kunststoffe optimal genutzt. Während der leichte GFK Verstärkungskomplex für die benötigte Steifigkeit sorgt, stellt der Kunststoff-Inliner die chemische Beständigkeit in der Anwendung sicher. Da der Behälter für eine maximale Anwendungstemperatur von 100 °C ausgelegt wurde, ist der teilfluorierte Werkstoff ECTFE die wirtschaftlichste Lösung für diese Anwendung. Aufgrund der großen Produktvielfalt der ECTFE AGRU Produkte konnten alle projektrelevanten Bauteile (Platten, kaschierte Platten, Rohre, Bögen, Schweißdrähte) von AGRU geliefert werden.

Die Auslegung und Planung der Gaswäscherkolonne wurde durch Heson durchgeführt. Um eine optimale Ausführung zu gewährleisten, wurden technische Details mit AGRU abgestimmt. Aufgrund der Gesamthöhe von 12 m wurde der Behälter in 4 Segmente aufgeteilt, die bei der Endmontage über Schraubverbindungen dicht verbunden wurden. Für die GFK Verbundkonstruktion wurde zunächst der glaskaschierte ECTFE Liner durch Thermoformen und Schweißen in seine endgültige Form gebracht, sodass sich die Kaschierung zunächst an der äußeren Oberfläche befindet. Aufgrund der geringen Eigenfestigkeit der 2,3 mm dicken Folie werden die Bauteile von innen über entsprechende Holz- oder Stahlgerüste gestützt. In einem weiteren Verarbeitungsschritt wurde auf die außenliegende Gewebekaschierung ein GFK Verstärkungskomplex aufgebracht und somit eine vollflächige Verbindung zwischen dem Liner und dem tragenden Laminat hergestellt. Um die Dichtheit des Auskleidungslaminats mittels Hochspannung zu prüfen, wurden elektrisch leitfähige Schichten einlaminiert.

Fluorkunststoffe für extreme Anwendungen
Die klassisch thermoplastisch verarbeitbaren Fluorpolymere PVDF, ECTFE, FEP und PFA eignen sich aufgrund ihrer hohen chemischen Widerstandsfähigkeit und der breiten Temperatureinsatzbereiche hervorragend für Anwendungen im Apparate- und Anlagenbau. Die Fluorkunststoffe zeichnen sich im speziellen durch folgende Eigenschaften aus:

• Höchste Temperaturbeständigkeit zwischen -200 °C bis +260 °C
• Sehr gute Schweißeigenschaften und Thermoformbarkeit
• Antihafteigenschaften durch äußerst geringe Oberflächenspannung 
• Geringes Auslaugverhalten von PVDF und PFA für High Purity Anwendungen

Die von AGRU hergestellten Fluorkunststoffe eignen sich hervorragend für die Auskleidung von Metall- als auch GFK-Konstruktionen. Hierzu werden die Auskleidungsfolien mit einem Gestricke kaschiert. Das Gestricke ermöglicht die Folie verbundfest in die gewünschten Anlagenbauteile einzukleben. Diese Methode kann bis zu einer Anwendungstemperatur von 180 °C eingesetzt werden. Ab einer Temperatur > 180 °C werden mechanische Fixierungen verwendet.

Durch das erfolgreiche Zusammenarbeiten aller beteiligten Unternehmen konnte das Projekt in einer Durchlaufzeit von 2 Monaten erfolgreich abgeschlossen werden. Der Gaswäscher „made in Oberösterreich“ ist bereits erfolgreich in Betrieb und stellt sicher, dass die Umwelt vor hochaggressiven Chemikalien langzeitig geschützt wird.

Die Autoren
Johannes Derfler MSc, Anwendungstechniker bei AGRU für die Produktgruppe Fluorkunststoffe, www.agru.com
Ing. Christian Aschauer, Projektkoordinator bei Heson, www.heson.at

TIPP:
KC-Fachtagung: Kunststoffe für die Umwelttechnik - Abluft- und Rauchgasreinigung im Fokus 
am 4. April 2017, bei AGRU in Bad Hall
Genauer wird das Projekt bei dieser Veranstaltung vorgestellt. Interessierte haben dabei auch die Möglichkeit, sich mit den Projektverantwortlichen auszutauschen.
Mehr Infos zur Fachtagung >>